Die neuapostolische Kirchengemeinde Weingarten feierte am 21. September 2025 in einem Festgottesdienst das 35-jährige Jubiläum der „Vietnamesischen Kirchengemeinde Weingarten“.
Auf diesen besonderen Tag hatten sich die vietnamesischen Glaubensgeschwister schon lange gefreut und deshalb auch zahlreiche Vorbereitungen getroffen. So wurde der Altar mit asiatischer Blumenschnitzkunst wundervoll geschmückt und strahlte eine besondere Festlichkeit aus.
Den Höhepunkt des Tages bildete der Festgottesdienst mit Bischof Jörg Vester, dessen Predigt von Schwester Thi Hop Löffler in die vietnamesische Sprache übersetzt wurde. Dem Gottesdienst legte der Bischof ein Bibelwort aus Epheser 1, Vers 3 und 4 zugrunde: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Erde Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten in der Liebe.“
Der Chor eröffnete den Predigtvortrag mit dem Lied „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesu offenbart…“ (Gesangbuch Nr. 221), wobei die erste Strophe vom vietnamesischen Chor gesungen wurde. Dann folgte ein Zwischenspiel auf dem Angklung, das zur vierten Strophe überleitete, die mit den Worten endete: „… In Wort und Werk und allem Wesen, sei Jesus und sonst nichts zu lesen.“ Diese Strophe wurde in deutscher Sprache von zwei Glaubensbrüdern vorgetragen, deren Gesang von den Summ-Stimmen des vietnamesischen Chors begleitet und untermalt wurde. Dieser Vortrag symbolisierte somit die Berührung zweier Kulturen: Deutschland – Vietnam, verbunden durch die Liebe Gottes.
Der Bischof begann seine Predigt mit dem Hinweis, dass das vorgetragene Lied das erste gewesen sei, das in vietnamesischer Sprache gesungen wurde. Auch passe das Lied so richtig zum vorgelesenen Bibelwort, weil Gott aus der Liebe seines Sohnes heraus die Menschen gesegnet habe.
Neuapostolische Christen hätten nicht den Wunderglauben, dass Gott, weil zu ihm gebetet wurde, ein Wunder für sie geschehen lassen müsse. Auch sie erlebten Krankheit, Trauer und schwierige Lebenssituationen, dürften dabei aber immer wieder die Liebe Gottes erleben, wenn diese auch nicht immer gleich wahrgenommen werde.
Dann betonte der Bischof, dass das Bibelwort sich auf den geistlichen Segen beziehe. Dieser helfe, mit den Lebensumständen entsprechend umzugehen und das Verhältnis zu Gott zu ändern. Das bedeute, dass der Gläubige seinen Blick auf den Willen Gottes richte: Gemeinschaft mit Gott zu haben - Erlöst zu werden.
Der Bischof bat Priester Phung um einen Predigtbeitrag in seiner Muttersprache, die von Schwester Thi Hop Löffler ins Deutsche übersetzt wurde: Es sei heute ein besonderer Tag, weil die vietnamesische Gemeinde vor 35 Jahren den lieben Gott habe kennen lernen dürfen. Der Heilige Geist habe ihnen die Liebe Gottes erschlossen.
Vor der Feier des Heiligen Abendmahls erwähnte der Bischof noch, dass das Opfer Jesu auch ein geistlicher Segen sei, weil dabei die reine Liebe erlebt werde.
Nach dem Gottesdienst fand ein gemeinsames Festessen im katholischen Gemeindehaus statt. Dort wurden vielfältige Speisen aus zwei Kulturen geboten, gegenseitig bewundert und ausgiebig genossen. Manche ehemaligen Gemeindemitglieder kamen von weither gereist, um diesen Festtag mitzuerleben. Freundschaften, die schon über 35 Jahre bestanden, wurden vertieft und neue Freundschaften geschlossen. Anregende Gespräche in einer harmonischen Gemeinschaft ließen die Zeit wie im Fluge vergehen.
Info zum Begriff "Wandergemeinde":
Da es im Laufe der Zeit auch in anderen neuapostolischen Kirchengemeinden vietnamesische Gemeindemitglieder gab, wurde es zum Ritual, dass diese sich in regelmäßigen Abständen in einer dieser Kirchen zu einem gemeinsamen Gottesdienst versammelten. Daher der Begriff „Wandergemeinde“.
Im Jahrbuch 2026 erscheint ein ausführlicher Bericht über die vietnamesische „Wandergemeinde“.