Seit dem 1. Januar 2023 ist die Ordination von Frauen in alle geistlichen Ämter der Neuapostolischen Kirche möglich. Am 25. Januar 2026 wurde nun die erste Diakonin für die Neuapostolische Kirchengemeinde Bruchsal ordiniert. In einem Interview stellt sie sich persönlich vor.
Interview mit Sandra Bäurer, seit dem 25. Januar 2026 Diakonin in der Neuapostolischen Kirchengemeinde Bruchsal:
Das griechische Wort „Diakon“ steht für „Diener“. In der Neuapostolischen Kirche unterstützen Diakone die Priester bei deren Arbeit in der Seelsorge; das Aufgabengebiet ist vielfältig (aus dem Katechismus der Neuapostolischen Kirche).
Für mich war der herzliche Willkommensgruß der Diakone an der Kirchentüre immer wie das Betreten in einen Schutzraum – warm, voller Liebe und Freundlichkeit.
In meinem Glaubensleben hatte ich in Prüfungszeiten immer Brüder und Schwestern, die mich gestärkt haben, für mich gebetet haben, zugehört und mich angenommen haben, wie ich war. Das möchte ich nun ebenfalls tun mit dem Auftrag unseres himmlischen Vaters.
Die Bibel nennt als Voraussetzungen: Apostelgeschichte 6,3 und 1. Timotheus 3, 8-13 (Das betrifft den eigenen Lebenswandel.)
In der Nachfolge Jesu stehen, also im Glauben nach seinen Worten handeln, ihm ähnlicher werden im Wesen.
In Liebe und Demut dem Nächsten begegnen und dienen, d.h. zuhören, mitfühlen, annehmen und ins Gebet nehmen.
Im Einssein mit meinen Vorangängern stehen; das bedeutet für mich, in regem Austausch zu stehen.
Verschwiegenheit, damit Vertrauen begründet sein kann, wenn mir etwas erzählt wird.
Ich denke, das sind die Grundlagen.
Der liebe Gott hat viel Vorarbeit in mir geleistet.
Mein Konfirmationsgelübde hat sich immer wieder in meine Gedanken geschlichen, in dem ich mich dem dreieinigen Gott übergebe – im Glauben, Gehorsam und ernstlichen Vorsatz, ihm treu zu sein bis an mein Ende.
Zudem wurden mir im Internet Predigten zu den Themen Nachfolge und Dienen vorgeschlagen, die ich mir anhörte und noch einiges andere.
Ich bekam einen Gottesdienst unseres Stammapostelhelfers zugesandt, dem das Wort zugrunde lag: „Eure Rede sei ja, ja und nein, nein.“ – eine klare Entscheidung für Gott und gegen das Böse, hinter der ich stehe.
Und so hab ich ja gesagt, als er mich gerufen hat.
Ich weiß nicht, warum der liebe Gott mich ausgesucht hat, aber ich weiß, dass er keine Fehler macht und bin gespannt, wie er mich gebrauchen wird.
Ich muss gestehen, das hat mir zuvor ein wenig Sorgen bereitet. Aus der Tradition heraus ist es ja doch ungewohnt, eine Frau im Amt zu sehen. Doch ich habe, und das muss ich beschämt zugeben, meine Geschwister völlig unterschätzt. Mir wurden so unbeschreiblich viel Liebe und Segenswünsche entgegengebracht. Die Brüder haben mich im Amtskreis willkommen geheißen und so freue ich mich auf das Miteinander – Füreinander.
Ich hatte den ganzen Tag, wie auch schon die Tage zuvor, das Gefühl, als sei ich von elektrisch aufgeladener Luft umgeben und gleichzeitig hatte ich eine große Ruhe in mir –, als wäre ich abgeschirmt gewesen.
Als ich dann vor dem Altar auf die beiden Schwestern wartete, die mit mir ordiniert werden sollten, haben mich ein tiefer Friede und pure Freude durchzogen. Dieses Gefühl sollte man konservieren können.
Ich verbringe sehr viel mehr Zeit damit, in der Bibel und unserem Katechismus zu lesen, denn da habe ich große Defizite. Außerdem möchte ich noch genauer auf meinen Lebenswandel im Alltag achten.
Ich freue mich darauf herauszufinden, was der liebe Gott mit mir vor hat.
Mit Gott ist alles möglich. Unterschätze nie die Allmacht und Liebe Gottes.